Reader Vereinbaren statt entscheiden

Vereinbaren statt entscheiden

Grundlagen der Mitbestimmung auf dem Jukss

Schon seit Jahren beschäftigen sich Menschen damit, die Organisationsstruktur auf dem JugendUmweltKongress (Jukss) so zu gestalten, dass alle Menschen sich gleichberechtigt beteiligen können, ohne dass jemand übergangen oder zu etwas gezwungen wird. Dabei sollen Dominanzen (z.B. durch Menschen mit längerer Erfahrung, geübter Rhetorik, aus dem Orgateam etc.) vermieden werden. Ausserdem soll die Organisation aber auch effektiv und ohne Frust für die Beteiligten laufen. Auch in diesem Jahr haben einige Menschen wieder versucht, aus den Erfahrungen der letzten Jahre zu lernen. Die Ergebnisse davon versucht dieser Text wiederzuspiegeln – in der Hoffnung, dass die auf dem Jukss gewonnenen Erfahrungen auch in anderen Zusammenhängen nützlich sind.

Vereinbarungen

Entscheidungen oder Beschlüsse, die für alle zwingend sind, kann es auf dem Jukss nicht geben – es gibt ja auch keine Strukturen, um sie durchzusetzen (Kongresspolizei oder so). Der Jukss ist ein Freiraum, in dem prinzipiell jedeR tun und lassen kann, was ersie will. Klar ist jedoch, dass mehrere sich widersprechende Interessen einer Lösung bedürfen. Diese Lösung kann immer nur eine Vereinbarung zwischen den jeweils Betroffenen sein. In den meisten Fällen muss dafür auch nicht eine Seite nachgeben: oft gibt es kreative Lösungen, die alle Interessen mit einbeziehen. Eine solche Lösung ist dann für diejenigen, die nicht an der Diskussion beteiligt waren lediglich ein Vorschlag, wie mit dem Problem umgegangen werden kann und offen für Weiterentwicklungen. Der Vorschlag ist nicht zwingend, die darin investierte Mühe sollte aber respektiert werden.

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit ist vollkommen igietlm, aber dass muss dann auch ffcr beide Seite gelten die Facebook-Seite Christiane Tauzher eine Schande ffcr den Journalismus wurde von FACEBOOK gelf6scht!!!!Also entweder oder aber den einen das Maul verbieten geht nicht und der andere darf ungeniert le4stern das geht nicht!

InfoPlenum

Eine Variante des Plenums, die auf manchen Jukss' praktiziert wurde. Wie das Plenum ist ein tägliches Treffen aller Teilis, die Lust dazu haben. Der Grundgedanke ist, die positiven Aspekte des Plenums zu erhalten und den negativen durch eine stärkere Strukturierung entgegenzuwirken. Jeder kann sich melden und eine Ankündigung machen, ein Thema einbringen oder ein Problem ansprechen - möglichst kompakt, ohne dabei Argumente für die eigene Meinung detailliert zu erläutern. Rückfragen sind ok, sollten aber ebenfalls kurz gehalten werden. Sobald sich eine Diskussion zwischen Teilnehmern entwickelt, wird abgebrochen und Zeit & Ort für ein Interessentreffen festgesetzt (oft in der Form "Nach dem Infoplenum in Raum 203").Es gibt eine ModeratorIn, deren wichtigste Aufgabe es ist, bei allem was nicht reine Informationsweitergabe ist (also vor allem bei Diskussionen) zu unterbrechen und darum zu bitten, statt dessen ein Interessentreffen festzusetzen. Ziel ist es, sich als Großgruppe innerhalb ca 20 Minuten zu organisieren, und die eigentlichen Diskussionen in kleinen Gruppen zu führen, wo besser aufeinander eingegangen und Dominanzen leichter begegnet werden kann.

Interessentreffen

Wenn es nicht möglich ist, direkt eine Vereinbarung zu treffen, mit der alle Beteiligten leben können, oder das Thema noch mehr Leute etwas angeht, kann mensch ein Interessentreffen einberufen. Das sollte möglichst einen Tag vorher angekündigt werden, damit jedeR davon erfahren kann. Den Interessentreffen steht es frei, wie sie Diskussionen führen – denkbar sind Runden, in denen der Reihe nach jedeR etwas sagt, Fishbowl/Blüte, Kleingruppendiskussionen etc.
Für Interessentreffen empfehlen wir die Zeit von 20-21 Uhr in einem Raum, wo mensch sowohl einfach dazustoßen, als auch wieder gehen kann.

Blütentreffen Eine besondere Form von Interessentreffen ist ein Blütentreffen. Sie ist für Themen bestimmt, die mensch gern mit möglichst vielen anderen besprechen möchte. Bei dem Blütentreffen kann es um mehrere Themen hintereinander gehen. Es funktioniert ähnlich wie eine Fishbowl-Diskussion: In der Mitte gibt es einen Kreis von SprecherInnen, hinter jedeR Sprecher_in sitzt die zugehörige Bezugsgruppe im Kreis (daraus ergibt sich die Form einer Blüte). Die Sprecher_innen tragen die Meinungen aus ihren Gruppen zusammen und versuchen daraus einen Vereinbarungesvorschlag zu machen. Auf diese Weise reden wenige Menschen direkt und konstruktiv miteinander, statt vor vielen aneinandergereihte Reden zu halten wie im Plenum. Zwischendurch drehen sich die Sprecher_innen einfach um und diskutieren innerhalb der Bezugsgruppe. Die Sprecher_innen können jederzeit von ihrer Gruppe abgelöst werden. Auch das Blütentreffen fällt natürlich keine Entscheidungen für alle, sondern trifft im Konsens Vereinbarungen zwischen den Beteiligten. Das Blütentreffen findet wie jedes andere Interessentreffen auch nur dann statt, wenn Leute ein Problem haben und sich zur Lösung speziell ein Blütentreffen wünschen. Auch hier macht es Sinn, das Treffen zu der empfohlenen Zeit am Abend zu machen, damit nicht so viele Workshops parallel laufen und ein Großteil der Teilis Zeit zum Diskutieren hat.

Worldcafe/Knowledge-Café Ähnlich wie das Blütentreffen, setzen sich beim Worldcafe ebenfalls ein großes Plenum in mehrere kleine Gruppen von vier bis sechs Personen zusammen, um zu einer spezifischen offenen Fragestellung oder einem bestimmten Thema zu diskutieren. Es gibt eineN Moderator_in, derdie die Cafés (Diskussionsrunden) eröffnet und nach einer Dauer von 5 Minuten bis zwei Stunden beendet. Die Dauer eines Cafés wird vorher festgelegt. In jedem Café wird zum gleichen Thema diskutiert. Nach Ablauf des ersten Cafés wechseln die Cafétisch-Besucher_innen den Tisch und wandern zum nächsten Knowledge-Café – so lange bis jede Besucher_in einmal jedes Café besucht hat. Die Caféhaus-Besitzer_innen bleiben am Tisch zurück und geben der ankommenden Gruppe eine kurze Zusammenfassung ihres Diskussionsthemas sowie der Ergebnisse der Vorgruppe (5-10 Minuten). Ebenso erstattet die neu angekommene Gruppe einen kurzen Bericht über die Diskussion im vorherigen Café. Auf Basis beider Zusammenfassungen eröffnen sie anschließend eine neue Diskussion. Im Knowledge-Café geht es um den Gedanken- und Meinungsaustausch der gesamten Gruppe – also um kollektives Brainstorming. Zu den entwickelten Ideen sollten sich die Besucher_innen und die Cafébesitzer_innen Stichworte notieren, z.B. auf einer papierenen Tischdecke. Zum Schluss können alle Ergebnisse der Cafés zusammengetragen, ausgewertet und transparent gemacht werden.

Tuschelrunden Die Tuschelrunde ist eine Verknüpfung von Brainstorming und Kleingruppen-Dynamik für größere Gruppen ab ca. 12 Personen ohne Moderation. Von der Methodik ähnelt sie sehr dem Worldcafe. Eine größere Anzahl Leute trifft sich in einem Raum. Zuerst wird die Methode und die gewünschte Fragestellung kurz vorgestellt bzw. verabredet. Es bilden sich Kleingruppen von 2 bis etwa 5 Personen, die sich ein paar Minuten gegenseitig zu einer konkreten Frage austauschen - z.B. welche Wünsche und Ideen sie mit dem aktuellen Treffen verbinden - immer auch mit Blick auf Kooperationsmöglichkeiten, Verabredungen zu Workshops usw.
Denkbar ist, die gesammelten Antworten oder Ideen auf Zetteln festzuhalten - wichtig dabei: Kontaktmöglichkeiten ("um 12h an Punkt x", Telefonnummer o.Ä.) angeben, damit Vereinbarungen möglich sind. Nach drei bis fünf Minuten lösen sich die Gruppen auf und die Teilis bilden neue Gruppen. Dieser Prozess kann so oft wie gewünscht wiederholt werden (z.B. bis alle Teilis mit allen anderen geredet haben). In sehr kurzer Zeit ist es so möglich, einen Austausch mit vielen Leuten zu haben, z.B. um Ideen für Arbeitskreise zu entwickeln. Gut ist es, die entstehenden Ideen zu dokumentieren, damit auch spätere Verabredungen möglich sind.

Das Ziel von Methoden wie Blütentreffen, Worldcafe und Tuschelrunde ist es, die Ideen und Wünsche der Teilis für andere transparent zu machen und Verabredungen zu fördern. Die drei Methoden öffnen einen Raum, um eigene Vorstellungen auszudrücken ohne Angst vor Be- oder Abwertung. Sie wollen zur Umsetzung eigener Ideen ermuntern, um die Trennung in Referentis und Teilis zu überwinden. Tuschelrunden ermöglichen einen dynamischen, kreativen Austausch ohne umständliche Großtreffen. Gleichzeitig können sie das Kennenlernen unterstützen, weil unbekannte Menschen eine Anfangs-Kommunikation miteinander haben, welche erste Hürden abbaut. Sie können eingesetzt werden um sich zu einer konkreten Fragestellung auszutauschen, ein Problem zu bearbeiten oder Feedback zu geben - mit dem Vorteil, auf eine Großgruppensituation verzichten zu können, welche Dominanzgefälle und Hemmungen verstärkt.

Transparenz

Bei allen Vereinbarungen ist es wichtig, sie transparent zu machen, d.h. durchschaubar und nachvollziehbar für alle, die sich dafür interessieren. Dafür gibt es die zentrale Infowand, an der Treffen und Ergebnisse aufgehängt werden. Die Mitmachgruppe „Programmkoordination“ kümmert sich darum, dass sie übersichtlich bleibt. Menschen, die nicht lesen wollen oder können, können andere um Hilfe bitten. Um Probleme u.a. Dinge noch bekannter zu machen, kann mensch auch die Klozeitung nutzen. Der Verzicht auf zentrale Entscheidungen und ein verpflichtendes Treffen alle bedeutet nicht Vereinzelung und Nebeneinander. Vielmehr soll er fördern, dass Menschen aufeinander zugehen und direkt kommunizieren.

Da dies alles nur Vorschläge sind, dürfen wir allerdings gespannt sein was auf dem Jukss tatsächlich passiert…
Viel Spaß beim Experimentieren!

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