Reader Unterstützung und Rücksichtnahme

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Unterstützung und Rücksichtnahme

Gegenseitige Hilfe statt Konkurrenz – Schutz und Rücksichtnahme auf dem Jukss

Alle von uns haben es schon einmal erlebt, wie es ist wegen Eigenschaften, die kaum beeinflussbar sind, übergangen, nicht gehört, nicht ernst genommen, sogar diskriminiert und ausgeschlossen zu werden, oder wie selbstverständlich gewisse Rechte vorenthalten zu bekommen. Aufgrund von Alter, Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, körperlichen Beschaffenheiten, Sexualität usw. wird noch immer diskriminiert und an einigen Orten der Welt sogar getötet. Der Jukss versucht einen Raum zu schaffen, an dem die Vielfalt über die Vereinheitlichung siegt, an dem Unterschiede zur Bereicherung aller beitragen, an dem Persönlichkeit wichtiger ist als Äußerlichkeit und pauschale Kategorien.

Ich möchte an alle appellieren (dazu aufrufen), sich Unterschiede durch herkömmliche Machtstrukturen – männlich, Alter, helle Hautfarbe, sportlich, rhetorisch fit, hetero etc. – bewusst zu machen und sich darüber Gedanken zu machen, wie diese konstruierten Machtgefälle abgebaut werden können. In Gesprächen treten Menschen mit diesem Merkmal häufig dominanter auf und stillere Menschen haben kaum eine Chance. Das ist für alle von Nachteil in einer Umgebung, wie ich sie mir wünsche, in der nicht das Durchsetzungsvermögen, sondern die Qualität des Miteinanders gefragt ist. Mehr über praktischen Dominanzabbau in Gruppen findest du in anderen Texten in diesem Reader.

„Schwächere“

Mir missfällt es, Menschen, denen in dieser Gesellschaft wenig Raum gelassen wird, als „schwache“ Wesen zu stigmatisieren (unabänderlich festzulegen). Frauen und Kinder sind davon besonders behaftet, „weil es nun mal so ist“. Es gibt inzwischen genug Literatur, eine traditionsreiche feministische Bewegung und eine etwas kleinere kinderrechtliche Bewegung, die beweisen will, dass Frauen und Kinder in dieser Gesellschaft aus den vorhandenen Machtstrukturen heraus schwach gemacht werden. Ihnen wird solange eingeredet, dass sie schwach seien, bis sie selbst fest davon überzeugt sind. Nahezu jede Möglichkeit, sich anders zu entwickeln, wird ihnen systematisch entzogen. Jeder Mensch braucht manchmal Unterstützung bei körperlichen und geistigen Aufgaben. Dass gerade Frauen und Kinder deswegen sämtliche Rechte beschnitten bekommen, ist weder logisch noch gerecht - gerade ihre Rechte müssten deswegen intensiver geschützt werden. Seit Jahrzehnten bemühen sich Fraueninitiativen, den als weiblich definierten Menschen Selbstvertrauen einzuflößen und ihnen zu helfen, ihre Stärken zu entdecken, Kinderrechtsgruppen versuchen, Kinder nicht als Objekte pädagogischen Schutzes, sondern als entscheidungsfähige Subjekte zu stärken und deren Respektierung in der Gesellschaft zu verbessern.

Junge Menschen einbeziehen!

In der sogenannten „linksradikalen“ Szene vermisse ich oft das bewusste Handhaben von Alterdiskriminierung. Ich spreche von dem Umgang mit besonders jungen Menschen, klassifiziert als „Kinder“ (nicht vom Umgang mit „alten“ Menschen). Denn der Umgang unter sogenannten „Erwachsenen“ (voll-wert-jährigen) schien mir bisher eher – im Rahmen des Möglichen – lobenswert gleichberechtigt, selten fielen abwertende Sätze wie: „Du Grünschnabel weißt doch eh nicht wie das war während dem Bau der Mauer!“ (ein älterer Herr zu einem ca. 30 Jährigen) oder so ähnlich.

Ein Kongress, auch wenn dieser so bunt und unterhaltsam sein mag wie der Jukss, ist für sehr junge Menschen manchmal zu anstrengend und langweilig. Und weil sie meist an eine Bezugsperson gebunden sind, kann sich der Spaß schnell in eine Tragödie entwickeln, wenn Mensch müde und genervt wird. Ich möchte daher auch Bezugspersonen und Betroffene dazu aufrufen, in Diskussionsrunden das Thema „Wie handhabe ich nun einen quengelnden jungen Menschen, obwohl ich hier mitdiskutieren will“ zur Debatte anzubieten. Denn in diesem Fall befindet sich jemensch mit konkreten Bedürfnissen im Raum, die nicht einfach übergangen werden dürfen. Auch Machtausübung von Seiten der Kinder muss hinterfragt werden, das lautstarke Stören mancher Kinder hat seinen Grund! Besonders Menschen, die häufig Ohnmacht und Ignoranz erfahren und Kommunikation vermissen, neigen dazu, ihrerseits Macht auszuüben, indem sie nerven und Grenzen verletzen.

Als Betroffene sind wir verantwortlich füreinander und ich verstehe nicht, warum mensch erst mal nach den „Eltern“ brüllt, wenn vor ihm/ihr ein kleiner Mensch am verzweifeln ist. Ich wünsche mir, dass Veranstaltungen so gestaltet werden, dass sie auch für Menschen mit beschränkten körperlichen Fähigkeiten (z.B. aufgrund ihrer Körpergröße) und auch für verschiedene Arten der Wahrnehmung und des Begreifens möglichst ansprechend sind. Das heißt nicht, dass Diskussionsrunden nun auf „Kleinkindniveau“ stattfinden sollten, sondern dass auch junge Menschen direkt durch Ansprechen, Fragen und Raum/Zeit lassen, einbezogen werden – besonders bei Themen die sie unmittelbar betreffen wie Pädagogik etc. Ich habe erlebt, dass das funktioniert. Allerdings halte ich es wohlgemerkt nicht für notwendig, dass jeder Mensch bis zum Schluss einer Diskussion geistig oder körperlich anwesend bleibt. Wenn ein junger Mensch etwas möchte, was ersie aufgrund ihrerseiner Benachteiligung nicht selbst besorgen kann, kann der „mächtigere“ Erwachsene sich überlegen, ob ersie seineihre Überlegenheit in den Dienst des Schwächeren stellt oder sie womöglich missbraucht, um für sich Vorteile zu erpressen (z.B. Folgsamkeit). Der Abbau von Machtmissbrauch im Umgang mit „Schwächeren“ heißt auch immer, Respekt zu geben, Geduld zu haben, sich Zeit zu nehmen und Abschied vom Leistungsgedanken zu nehmen. Das ist es doch, was ich will!

Von Zaabynae

Hast du Lust auf dem Jukss junge Menschen/ Menschen mit Einschränkungen zu unterstützen und Zeit mit ihnen zu verbringen, dann meld dich doch für die Mitmachgruppe „andere Unterstützen“. Mehr dazu im Reader oder an der Infowand.

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