Reader Geschichte


Einblicke in einige Versuche zur Organisation der Entscheidungsstukturen von vergangenen Jugendumweltkongressen

Jugendumweltfestival AufTakt (Magdeburg 1993)

Obwohl mit einem basisdemokratischen Anspruch angetreten, der u.a. auf der Autonomie der einzelnen Teile (Sternradtouren etc.) beruht, ist „oben“ und „unten“ auf dem Auftakt selbst ziemlich klar verteilt: Berichten zufolge sitzen die Orgaleute in einem eigezäunten „Containerdorf“. Vieles wird von oben vorgegeben und als Sachzwang verkauft. (siehe auch „Geschichte der Jugendumweltbewegung“ in Jörg Bergstedt, „Agenda, Expo, Sponsoring – Recherchen im Naturschutzfilz“)

JugendUmweltKongreß in Münster (97/98)

Nach Zensurversuchen, u.a. Verbot des Verteilens der Zeitung Graswurzelrevolution (GWR) und Streichung bestimmter Workshops (z.B. Carwalking), die dem Hauptgeldgeber Umweltbundesamt nicht genehm waren, kommt es zu einer Raumbesetzung, um die verbotenen Workshops stattfinden zu lassen. Die Vorbereitungsgruppe, die die Zensur aktiv durchführt, wird massiv kritisiert. In den Bezugsgruppen und im Plenum wird sich intensiv mit Entscheidungsfindung auseinandergesetzt. (siehe GWR 226 vom Februar 98)

Jukss in Nürnberg (2000/01)

Der letzte Jukss mit dem inzwischen „klassischen Modell“: Diskussion in Bezugsgruppen von 10 bis 15 Leuten, Zusammentragen von Konsensvorschlägen im SprecherinneRat, Entscheidungen auf dem Gesamtplenum per Konsens in 4 Stufen. In der Praxis werden Diskussionen aber auf überlangen und für viele langweiligen Plena geführt. Die Bezugsgruppen sind zwar gut für das persönliche Zurechtfinden auf dem Jukss, haben für die Entscheidungsfindung aber keine große Bedeutung.

Jukss in Dresden (2001/02)

Im Vorfeld gibt es den Vorschlag, Plena nur zum Informieren über anstehende Probleme u.a. Infos zu nutzen und Entscheidungen auf Interessentreffen zu verlagern. Das soll zu einer zielgerichteten Diskussion führen und nur Betroffene und Interessierte in diese einbeziehen. In der Praxis wird das Plenum aber doch als Entscheidungsgremium aufgefasst, mit den üblichen Folgen: Geübte RednerInnen setzen sich durch, belanglose Themen werden ausgewalzt und zurückhaltendere Menschen haben kaum eine Chance.

Jukss in Hittfeld bei Hamburg (2003)

Neues Konzept: es gibt keine klassischen Plena mehr. Zur Information dient vor allem die Infowand, auf der alle auftauchenden Probleme kurz beschrieben werden. Je nachdem, wie viele Leute das Problem angeht, gibt es Interessentreffen oder aber eine Diskussion in der Blüte, an der möglichst alle teilnehmen sollen. Die Blüte ermöglicht deutlich gleichberechtigtere, zielgerichtetere Diskussionen. Der Anspruch, für alle verbindliche Entscheidungen zu treffen, besteht jedoch weiterhin.

Jukss in Magdeburg (2004/05)

Abschaffung einer Entscheidungsstruktur aller, Entscheidungen werden nur noch in Interessentreffen getroffen, für Transparenz soll die Infowand sorgen. Einigen Menschen fehlt dabei das Gemeinschaftserlebnis eines Plenums. Für viele, insbesondere für neue Leute ist es schwierig sich in solchen Strukturen zurechtzufinden. Während des Kongresses wird dann von einigen Leuten zu einem „Plenum“ aufgerufen, diesem fehlt jedoch gewissermaßen die Legitimation, da ja nur Menschen hingehen, die das auch interessiert.

Jukss in Bielefeld (2005/06)

Die Idee von Interessentreffen und dezentraler Kommunikation über Infowände wird fortgesetzt. Einerseits fühlen sich dadurch Leute, denen schneller Aufgaben und Probleme auffallen überfordert, weil es schwieriger ist, andere darauf aufmerksam zu machen. Andererseits wird bei einigen Ereignissen schnell und effektiv eingegriffen, weil nicht erst das Plenum um Erlaubnis gefragt werden muss.

Jukss in Königs Wusterhausen bei Berlin (2006/07)

Oberflächlich gibt es keine Entscheidungsprobleme, eher organisatorische. Einige empfinden diesen Jukss als angenehm unkompliziert und locker, andere wünschen sich mehr Struktur zur Orientierung und Wissensweitergabe.