Reader Entscheidungsfindung

Aus JukssWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen der Mitbestimmung – vereinbaren statt entscheiden

Die Organisationsstrukturen sollten so gestaltet werden, dass alle Menschen sich gleichberechtigt beteiligen können, ohne dass jemand übergangen oder zu etwas gezwungen wird. Dabei sollen Dominanzen (z.B. durch Menschen mit längerer Erfahrung, geübter Rhetorik, aus dem Orgateam etc.) vermieden werden. Außerdem soll die Organisation aber auch effektiv und ohne Frust für die Beteiligten laufen.

Vereinbarungen

Entscheidungen oder Beschlüsse, die für alle zwingend sind, kann es auf einem emanzipatorischen, hierarchiearmen Kongress nicht geben – es gibt ja auch keine Strukturen, um sie durchzusetzen (Kongresspolizei oder so). Der Kongress soll ein Freiraum sein, in dem prinzipiell jedeR tun und lassen kann, was ersie will. Klar ist jedoch, dass mehrere sich widersprechende Interessen einer Lösung bedürfen. Diese Lösung kann immer nur eine Vereinbarung zwischen den jeweils Betroffenen sein. In den meisten Fällen muss dafür auch nicht eine Seite nachgeben: Oft gibt es kreative Lösungen, die alle Interessen mit einbeziehen. Eine solche Lösung ist dann für diejenigen, die nicht an der Diskussion beteiligt waren lediglich ein Vorschlag, wie mit dem Problem umgegangen werden kann und offen für Weiterentwicklungen. Er ist nicht zwingend, aber die darin investierte Mühe sollte respektiert werden.

Direkte Intervention

Wenn ich ein Problem mit einer bestimmten Handlung, Verhaltensweise o.ä. eines anderen haben ist das Naheliegendste, denjenigen direkt darauf anzusprechen. Oft geht es um Dinge, auf die jemand einfach nicht geachtet hat oder derjenige ist froh über einen Verbesserungsvorschlag. Wer sieht, dass etwas getan werden müsste, kann das auch einfach machen – für solche Dinge bedarf es keiner gemeinsamen Entscheidungen, sondern der Eigeninitiative und Kommunikation mit anderen, die dann vielleicht mitmachen.

Mitmachgruppen

Für die einzelnen Bereiche der Kongressorganisation bilden sich sogenannte Mitmachgruppen, z.B. für Infothek, Computerpool, Finanzen, Klozeitung etc. Sie sind autonom, d.h. sie können in ihrem Bereich frei entscheiden. Wichtig ist dabei, Treffen und Entscheidungen transparent zu machen und sich mit anderen betroffenen Mitmachgruppen abzusprechen. Die Gruppen sind offen, d.h. jedeR kann sich an ihrer Arbeit und Entscheidungen beteiligen.

Interessentreffen

Wenn es nicht möglich ist, direkt eine Vereinbarung zu treffen, mit der alle Beteiligten leben können, oder wenn das Thema noch mehr Leute etwas angeht, kann mensch ein Interessentreffen einberufen. Das sollte möglichst einen Tag vorher angekündigt werden, damit jedeR davon erfahren kann. Den Interessentreffen steht es frei, wie sie Diskussionen führen – denkbar sind Runden, in denen der Reihe nach jedeR etwas sagt, Fishbowl/Blüte, Kleingruppendiskussionen etc.

Blütentreffen

Eine besondere Form von Interessentreffen ist das Blütentreffen. Sie ist für Themen bestimmt, die mensch gern mit möglichst vielen anderen besprechen möchte. Bei dem Blütentreffen kann es um mehrere Themen hintereinander gehen. Es funktioniert ähnlich wie eine Fishbowl-Diskussion: In der Mitte gibt es einen Kreis von SprecherInnen und hinter jedeR SprecherIn sitzt dann die zugehörige Bezugsgruppe im Kreis. Daraus ergibt sich die Form einer Blüte. Die SprecherInnen tragen die Meinungen aus ihren Gruppen zusammen und versuchen daraus einen Vereinbarungsvorschlag zu machen. Auf diese Weise reden wenige Menschen direkt und konstruktiv miteinander statt aneinandergereiht Reden zu halten wie im Plenum. Zwischendurch drehen sich die SprecherInnen einfach um und diskutieren innerhalb der Bezugsgruppe. Die SprecherInnen können jederzeit von ihrer Gruppe abgelöst werden. Auch das Blütentreffen fällt keine Entscheidungen für alle, sondern trifft im Konsens Vereinbarungen zwischen den Beteilitgen.

So ein Blütentreffen findet wie jedes andere Interessentreffen auch nur dann statt, wenn Leute ein Problem haben und sich zur Lösung speziell ein Blütentreffen wünschen. Auch hier macht es Sinn, das Treffen zu einer relativ freien Zeit am Abend zu machen, damit nicht so viele Workshops parallel laufen und ein Großteil der Teilnehmer_innen Zeit zum Diskutieren hat.

Transparenz

Bei allen Vereinbarungen ist es wichtig, sie transparent zu machen, d.h. durchschaubar und nachvollziehbar für alle, die sich dafür interessieren. Dafür gibt es eine Infowand, an der Treffen und Ergebnisse ausgehängt werden. Eine Aufgabegruppe kümmert sich darum, dass sie übersichtlich bleibt. Menschen, die nicht lesen wollen, können andere um Hilfe bitten. Um Probleme u.a. Dinge noch bekannter zu machen, kann mensch auch z.B. die Klozeitung nutzen.

Der Verzicht auf zentrale Entscheidungen und ein verpflichtendes Treffen aller bedeutet nicht Vereinzelung und Nebeneinander. Vielmehr soll gefördert werden, dass Menschen aufeinander zugehen und direkt kommunizieren.

Da dies alles nur Vorschläge sind, darf mensch allerdings gespannt sein, was auf dem Kongress tatsächlich passiert... Viel Spaß beim Experimentieren!

Felipe

Meine Werkzeuge